Besser mit Beteiligung

Kann man Betreute wirklich an vielem, gar an allem beteiligen? Welche Konsequenzen hat die Beteiligung bzw. das Mitspracherecht der Jugendlichen an trägerinternen Prozessen oder sogar an Personalentscheidungen?

hpkj Jugendhilfe München Partizipation

Partizipation bietet die Chance für eine Win-win-Situation. Der Zusammenhang von gelungener Partizipation mit Wirksamkeit und Nachhaltigkeit ist auf der theoretischen Fachebene der Jugendhilfe längst unumstritten, in der Praxis aber stetige Herausforderung.

 

Stellen wir uns also Folgendes vor:

Es ist früher Nachmittag, ein freundlicher Besprechungsraum in einer therapeutischen Wohngruppe für integrationsschwierige Jugendliche, in einem Stuhlkreis sitzen vier Personen: die Bewerberin auf eine vakante Stelle, ein Jugendlicher, der Einrichtungsleiter, eine Sozialpädagogin. Das Gespräch ist bereits weit fortgeschritten und bei der Konzeptdiskussion angelangt.

 

Einrichtungsleiter

Wir haben hier einen partizipativen Ansatz – d.h. die Jugendlichen bestimmen in sehr vielen Dingen mit. Dafür gibt es ein Positionspapier, das die Beteiligung und die jeweiligen Abstimmungsmodi genau regelt. Was halten Sie davon?

 

Die Bewerberin (etwas nervös)

Ich finde es gut, wenn man die Jugendlichen ernst nimmt und na ja – ich stelle es mir schon schwierig vor, sie wirklich in alle Entscheidungen einzubeziehen... (die Bewerberin schaut den Jugendlichen skeptisch an und fährt lachend fort) … ihr werdet ja nicht eure Ausgangszeiten selbst bestimmen... (keiner lacht mit – der Jugendliche schaut die Bewerberin nachdenklich an)

 

… eigentlich gibt es nichts, wo nicht auch die Jugendlichen einbezogen sind ...

 

Sozialpädagogin (gelassen)

… doch, eigentlich gibt es nichts, wo nicht auch die Jugendlichen einbezogen sind. Beim runden Tisch kommt einmal im Monat alles auf die Tagesordnung – Anträge, Beschwerden und so weiter. Sie haben allerdings noch nie einen Antrag eingebracht, der die Grenzen des Jugendschutzes überschritten hätte.

 

Einrichtungsleiter (runzelt die Stirn)

Ja, das klappt wirklich gut, gerade weil wir dieses Modell gemeinsam entwickelt haben. Wir sind uns eben ziemlich oft einig.

 

Bewerberin (zweifelnd)

Ja schon, aber ich meine, an meinen bisherigen Arbeitsstellen waren wir bereits so genügend ausgelastet. Und ein Machtwort war auch manchmal notwendig – z.B. wenn einer total bekifft nach Hause kam oder richtig aggressiv war. Da kann man doch nicht vorher fragen, was er gerne hätte … (im Zimmer ist es warm geworden, alle Gläser sind leer, die Atmosphäre ist lebendig)

 

Wir wollen mitreden und unsere Meinung sagen können!

 

Jugendlicher (schaut die Bewerberin direkt und auffordernd an)

Na klar – wir sind ja nicht doof! Wir wissen selber, dass es Situationen gibt, in denen die Betreuer*innen schnell reagieren müssen – ist ja auch jeder froh, wenn das passiert, auch wenn es im Moment ätzend ist. Aber manchmal benehmen sich die Betreuer*innen auch daneben, einfach richtig übertrieben. Da wollen wir dann schon noch mal drüber reden und unsere Meinung sagen können.

 

Sozialpädagogin (schmunzelt)

Sicher würde es zu weit führen, Ihnen hier alle Gremien und Abläufe zu erklären, die wir nach der Probephase des Beteiligungsprojekts eingeführt haben – jedoch eines ist klar, es ist ein anderes Arbeiten in partizipativen Strukturen und man muss manche früheren pädagogischen Interventionen hinterfragen. (von draußen sind Gesprächsfetzen durchs offene Fenster zu hören, drei Jugendliche diskutieren heftig mit einem pädagogischen Mitarbeiter)

 

Das Projekt „Besser mit Beteiligung“ startete im März 2010. Heute sind die darin erarbeiteten Strukturen und Abläufe für die Beteiligung der Jugendlichen fest in allen hpkj-Einrichtungen verankert. Ermöglicht wurde uns dieser Prozess durch die großzügige Unterstützung der Auerbach-Stiftung, der wir an dieser Stelle nochmals danken wollen.