»Insgesamt ist das hier schon ganz in Ordnung…«

September. Wieder beginnt ein neuer Lernzyklus im hpkj lernprojekt mit neuen und bekannten Jugendlichen sowie neuen und bekannten Herausforderungen. Peter, ein Jugendlicher im zweiten Projektjahr beschreibt seine bisherigen Erfahrungen:

hpkj Bildung und Beruf München, lernprojekt

»Naja, in der Schule bin ich nicht wirklich zurechtgekommen. Zu viele Schüler*innen in einer Klasse und die meisten hatten, so wie ich, keine Lust auf Schule. Die Lehrer*innen, die hatten wenig Zeit für mich und oft habe ich nicht kapiert, was die mir beibringen wollten. Jetzt bin ich seit über einem Jahr aus der Schule raus und mit Lehre oder Arbeiten klappt nichts ohne Bildung und Abschluss.

 

Also bin ich jetzt drei- bis viermal pro Woche für je zwei bis drei Stunden im Lernprojekt, und endlich habe ich das Gefühl, ich könnte es schaffen. Ich hab dort einen Lerncoach, der Zeit hat, mir die Sachen so zu erklären, dass ich sie verstehe, und ich habe gemerkt, dass ich doch schon einiges kann.

 

Auch wie wir lernen gefällt mir. Ich habe die Zeit, die ich brauche, um Sachen zu verstehen, und mein Lerncoach erklärt es mir auf unterschiedliche Arten so lange, bis ich es verstehen kann. Es geht aber auch um Sachen, die mich interessieren und nichts mit dem Prüfungsstoff zu tun haben. Ich habe sogar das Gefühl etwas von der berühmten Allgemeinbildung mitzukriegen. Nur in Mathe ist es schwierig, da sind wir in einer Gruppe und es geht halt um Formeln und Regeln, die ich zum Rechnen wissen und können muss. Aber immerhin kapiere ich doch mehr, als ich dachte.

 

»Endlich habe ich das Gefühl, ich könnte es schaffen«

 

Ach ja, und dann ist da noch der Donnerstag, an dem wir mit allen sieben Jugendlichen zusammen in einer Gruppe sind und es um Berufsorientierung geht, meine Ziele rauszufinden und meinen Weg in die Zukunft zu planen. Da sollen wir uns mit unseren Wünschen, Stärken und Schwächen beschäftigen. Das ist manchmal ziemlich ätzend und so genau weiß ich noch nicht, wozu mir das helfen soll.

 

Die Lerncoaches sagen mir dann, dass es ja in der Ausbildung und beim Arbeiten auch wichtig ist, dass ich in Teams zurechtkomme und mich vernünftig streiten können muss. Und auch sonst habe ich ja immer mit Freunden, mit der Familie und anderen Leuten zu tun. Da ist was dran, ich weiß ja auch, dass ich schnell ausflippe, wenn mir einer komisch kommt oder ich auf Fehler angesprochen werde.

 

Und wenn ich dann jedes Mal alles hinschmeiße, klappt die Lehre bestimmt nicht und ich muss wohl für wenig Geld arbeiten, wenn ich überhaupt einen Job finde, den ich länger machen kann. Insgesamt ist das hier schon ganz in Ordnung, irgendwie hab ich gemerkt, dass Lernen manchmal auch Spaß machen kann.«